Leben und Sterben

„Das Sterben gehört zum Leben, nicht zum Tod“ Deshalb ist es wichtig, sich im Leben auch mit dem Sterben zu befassen.
Mich hat heute eine Begleitung eines schwer kranken Mannes tief beeindruckt und andererseits sehr nachdenklich gestimmt. Ich begleite regelmäßig Menschen auf Ihrem letzten Weg.
Auf dem Weg zu mehr Bewusstsein über unser sein, sollten wir uns auch mit dem Ende unseres Seins auseinandersetzen.

Dieser Mann, den ich heute kennen lernen durfte und in den nächsten Wochen begleiten darf, ist mitte 50 und hat eine Frau, sowie zwei Kinder. Seit 3 Jahren leidet er an Lungenkrebs und ist mittlerweile mit allen Nebenerscheinung dieser Krankheit, sowie der Behandlungen durch Chemotherapie und Operationen belastet. Er weiß, dass er nicht mehr lange zu Leben hat. Er hat sich nun vorgenommen, dass er, soweit es geht, alles ordnet, was es in seinem Leben zu ordnen gibt. Mir kam dabei spontan der Gedanke an mein eigenes Leben. Habe ich alles geordnet und wäre ich in der Lage, alles in Ordnung zu hinterlassen? Er befasst sich mit einem Testament, er hat eine Patientenverfügung, sowie eine Vorsorgevollmacht verfasst. Habt Ihr euch schon einmal mit diesen Themen befasst?
Außerdem schreibt er seit einiger Zeit ein Tagebuch, in dem er alle Gedanken festhält, die er seinen Lieben hinterlassen will. Es war sehr bewegend, als er mir erzählte, dass seine Familie nicht darüber sprechen will, wie es sein wird, wenn er nicht mehr da ist. Ich kann die Familie gut verstehen, denn wer will sich schon vorzeitig mit dem Moment des Verlustes auseinandersetzen. Andererseits bleibt es unvermeidlich, denn zu irgendeinem Zeitpunkt werden wir zwangsläufig mit dem Sterben konfrontiert.

Dieses Tagebuch geht mir nicht aus dem Sinn. Für diesen Menschen  wird dieses Tagebuch die Kommunikationsform sein, durch die er Kontakt zu seinen Liebsten hält, auch wenn er nicht mehr körperlich anwesend ist.
Sollten wir nicht alle ein Tagebuch führen? Ein Lebensbuch das wir mit dem füllen, was uns bewegt, was wir Gutes im Leben erfahren dürfen und welche Gefühle wir für diejenigen hegen, die uns nahe stehen!

Ich bin überzeugt davon, dass so ein Lebensbuch zunächst eine Bereicherung für unser eigenes Leben sein kann. Bietet es doch die Möglichkeit, regelmäßig und in vollem Bewusstsein, das aufzuschreiben, was unser Leben ausmacht,was uns wichtig ist und wieviel Schönheit wir erfahren dürfen.

Für diejenigen, die dieses Lebensbuch nach unserem Tod lesen werden, kann es Trost bringen und das Bewusstsein, dass niemand ganz geht.

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